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Auftakt 2011

(Ho) Die Bauwirtschaft stabilisiert sich, der Wohnungsbau bekommt neuen Schwung. Die Wirtschaft wächst ohne Pause. Mit einem Wachstum von 3,6 % im Jahre 2010 erreicht sie die höchste Zuwachsrate seit der Wiedervereinigung. Die tiefe Rezession ist überwunden. Das Tempo des erwarteten Wirtschaftswachstums lässt zwar innerhalb des neuen Jahres nach, doch bleibt das Wachstum im gesamten Jahre 2011 robust. Die Beschäftigungssituation konsolidiert sich. In Branchenteilen wird sogar von einem „Jobwunder“ gesprochen. Diese Meldungen zu Beginn des neuen Jahres verführen auf erste Sicht zum Optimismus, können aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Stabilität unserer Währung gravierend nachgelassen hat und dringend stützend konsolidiert werden muss. Die bedrohliche Schuldenkriese gleich mehrerer Staaten wie zum Beispiel Griechenland, Irland und Portugal im europäischen Zahlungsraum beeinflussen unser Währungsklima mit Wucht, treiben inflationäre Entwicklungen und erhöhen das Zinsniveau auch mit der Konsequenz eines verteuerten Baugeldes.

Die ständig wachsenden Zusatzbelastungen der Grundeigentümer, die Streichung vielfältiger Fördermittel in vielen anderen Bereichen insbesondere des Städtebaus und der Stadtentwicklung, vor allem aber auch die Absichten einer Kürzung der CO2-Gebäudesanierungsprogramme drängen bei allem Verständnis für Haushaltsknappheiten zu einer grundlegenden Umsteuerung in den Bereichen der Finanzpolitik für die Wohnungswirtschaft. Die an sie vielfältig gestellten Herausforderungen einer Begegnung demografischer Entwicklungen, der energetischen Sanierung des Gebäudebestands, einer energetisch bedingten Verteuerung des Neubaus und vor allem einer ständig zugemuteten erhöhten Steuerbelastung bei gleichzeitiger Kürzung von Steuerzusagen werden anderenfalls kurzfristig zu einer Überanstrengung dieses Marktsegments führen, die seine Funktionsfähigkeit aufhebt. Das Ergebnis wird in Notverkäufen und Zwangsversteigerungen mit allen Konsequenzen sozialer Verwerfungen und insbesondere mit der unzureichenden Versorgung der Bürgerinnen und Bürger unseres Landes mit angemessenem Wohnraum führen.

Klimaschutz ist wichtig, die Klimakatastrophe aber wurde bei der Klima-Konferenz in Cancún entschlossen vertagt. Sie muss warten. Diese Erkenntnis sollte auch sehr schnell innerhalb der Wohnungspolitik fruchtbar gemacht werden. Alles auf einmal geht eben nicht, überfrachtet wirtschaftlich maßlos und führt zum Schaden aller. So wichtig und erstrangig gutes und angemessenes Wohnen für den Sozialstandard der Bevölkerung und für ihr „Wohlfühlklima“ sein mag, so sehr sich auch die private Wohnungswirtschaft investitionsbereit zeigt, so entscheidend sind daneben als Baustellen eines Jeden ständig erhöhende Mehrkosten im Bereich der Gesundheits- und Altersvorsorge aufzurufen. Wer dann „zu allem Überfluss“ auch noch die Möglichkeit hat zu sparen, der fragt sich nach der Finanzmarkt- und Wirtschaftskrise und in der Währungskrise nach dem sicheren Bestand seiner Spareinlagen. Auch eine wohnungswirtschaftliche Kostenstellenrechnung darf sich der allgemeinen finanziellen Situation der Marktteilnehmer nicht verschließen. Darauf immer wieder effizient aufmerksam zu machen und diese generelle Stoßrichtung innerhalb von Einzelprojekten und Maßnahmen gegenüber Politik und Öffentlichkeit offensiv zu vertreten, wird eine der erstrangigen Aufgaben von Haus & Grund im Jahre 2011 sein.

© Dr. Hans Reinold Horst

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