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Altersvorsorge

(Ho) Mit Überschriften wie etwa „Altersvorsorge-Sparer müssen um Rendite bangen“ oder „Die Deutschen schränken private Altersvorsorge deutlich ein“ rüttelte die überörtliche Finanzpresse im Zuge ihrer Berichterstattung um die mittlerweile weltweite Banken- und Finanzkrise ihre Leserschaft. Nicht nur den gesetzlichen Rentenkassen geht es schlecht, auch das eigene Budget der Bürgerinnen und Bürger gerät immer knapper. So sanken die monatlichen Ausgaben für die private Altersvorsorge auf den niedrigsten Stand seit 2005. Das Eigenheim als Vorsorge gewinnt deutlich an Attraktivität. Im Jahre 2008 ist ein deutlicher Schwenk zu möglich sicheren Anlageformen zu erkennen. Das verwundert nicht, denn gerade fondsgebundenebn Lebensversicherungen drohen Verluste. Das hat Auswirkungen, wenn sie als Altersvorsorge eingesetzt werden, vor allem aber auch dann, wenn sie eine Baufinanzierung stützen sollen. Finanzlöcher sind in jedem Fall die Folge. Sie können aber aus den eigenen und immer knapper werdenden finanziellen Ressourcen nur noch schwer oder gar nicht mehr gestopft werden. Dieser Effekt schlägt kurz vor dem Renteneintritt oder gar nach Erreichen der Altersgrenze beim Eintritt in den Pensionärsstatus umso härter zu. Gerade im Zusammenhang mit der sehr Besorgnis erregenden weltweiten Finanzkrise wird deshalb die Frage immer drängender: Wie sicher ist meine Altersvorsorge? Droht etwa sogar ein Totalverlust, wie er etwa Lebensversicherungen in der Hyperinflation 1923, der Weltwirtschaftskrise 1929 und häufig auch im Zuge der Währungsumstellung am 20.06.1948 beschieden war?

Bei den gegenwärtigen Kurskapriolen am Aktienmarkt, der zunehmenden Verstaatlichung von Banken, dem kaum zu bremsenden Schneeballeffekt fauler Kreditpakete für die weltweite Finanzwirtschaft und einer absehbaren Rezession blickt der Privatanleger mit großer Sorge auf die Entwicklung. Das gilt gerade für diejenigen, die dem Appell eigener und privater Altersvorsorge vor dem Hintergrund immer knapper werdender gesetzlicher Rentenkassen gefolgt sind. Die gesetzlichen Rentensysteme sind bekanntlich übermäßig und auch durch demographische Entwicklungen belastet worden und nicht konsolidiert, die Entwicklungen auf den Finanzmärkten lassen sich aufgrund ihrer entwickelten Eigendynamik mittelfristig kaum voraussagen. Deshalb kann im Moment in Bezug auf die Sicherheit der eigenen Altersvorsorge nur ohne Gewähr und mit großer Vorsicht folgendes gesagt werden:

Sofern die Bundesrepublik Deutschland nicht selbst zahlungsunfähig wird, bleibt die gesetzliche Rente ihrem Grunde nach sicher, aber nicht in der Höhe. Sicher ist lediglich, dass der Sparer mit dem Ruhestand eine Rente erhalten wird. Denn die gesetzliche Rente wird im Umlageverfahren finanziert. Dort werden die Einnahmen der Rentenkasse direkt an die Rentner ausgezahlt. Daran ändert auch die Finanzkrise nichts. Ein Totalverlust ist insofern nicht möglich. Ist die Rentenversicherung selbst knapp bei Kasse, muss gegebenenfalls der Staat einspringen. Die Höhe der Rente und damit auch ihre Rendite im Vergleich zum Anlagezeitraum des eingezahlten Kapitals ist dagegen nicht vorhersehbar. Sicher ist nur, dass die jüngsten Reformen auch im Zusammenhang mit dem Alterseinkünftegesetz aus dem Jahre 2005 dafür sorgen, dass das Rentenniveau sinken wird. Dazu kommt die Inflation. Sie entwertet das Ersparte und erschwert die Altersvorsorge zusätzlich. Die Kaufkraft der Rente wird also auch dadurch zusätzlich geschwächt, wenn keine oder nur unzureichende Inflationsausgleiche vorgenommen werden. Dazu ein Beispiel: Im Jahre 2008 betrug die Rentenanpassung 1,1 Prozent, die Inflationsrate bislang 3 Prozent. Im Jahre 2007 wurde mit einer Inflationsrate von 1,6 bis 2,0 Prozent gearbeitet, die Rentenanpassung dagegen bewegte sich nur bei 0,54 Prozent.

Unabhängig von der Finanzkrise ist der demografische Faktor. Künftig werden immer weniger junge Leute für die Rente der älteren Generationen aufzukommen haben. Es wird also langfristig mehr Rentner als Erwerbstätige geben. Dieser Prozess wird verstärkt, wenn in Folge der Banken- und Finanzkrisen die Arbeitslosigkeit steigen sollte. Die Zahl der Beitragszahler sinkt dann weiter. Und wenn die Löhne in diesem Falle auch nicht steigen, dann kann es auch keine Rentenerhöhungen geben. Private Vorsorge tut also mehr Not denn je, wenn man sie sich denn überhaupt noch leisten kann.

Aber welche Anlageform empfiehlt sich?

Relativ entspannt sein können diejenigen, die eine Riester-Rente abgeschlossen haben. Dabei ist es unerheblich, ob sie sich für einen Bank-, Fondssparplan oder aber für eine Versicherung entschieden haben. Sie erhalten zu Beginn des Ruhestands die eingezahlten Beträge plus Zulagen. Diese Zahlungen müssen die Anbieter garantieren. Sollte ein Geldinstitut als Anbieter nicht mehr zahlungsfähig sein, so springt die Einlagensicherung des jeweiligen Instituts ein. Ähnliches gilt für Versicherungen. Wird eine Assekuranz zahlungsunfähig, springt die Auffanggesellschaft „Protektor“ ein. Aber: Wie der Einlagensicherungsfonds ist auch diese Auffanggesellschaft nur geeignet, um einzelne strauchelnde Institute aufzufangen. Gerät das komplette System ins Wanken, müsste der Staat einspringen. Dies aber bleibt seiner Entscheidung vorbehalten.

Auch bei der betrieblichen Altersvorsorge kommt es nicht darauf an, welche Vorsorgeform der Arbeitnehmer gewählt hat. Angeboten werden Direktzusagen, Pensionsfonds, Pensionskassen, Unterstützungskassen und Direktversicherungen, in die Arbeitnehmer steuer- und sozialabgabenfrei einzahlen können. Direktzusagen werden vom Arbeitgeber erfüllt. Gerät er in Insolvenz, springt der Pensionssicherungsverein ein. Die Finanzkrise kann sich also lediglich indirekt über möglicherweise niedrigere Renditen auf die betriebliche Altersvorsorge auswirken. Gesehen werden muss aber auch der in den letzten Jahren neu eingeführte Zugriff der Sozialversicherungssysteme sowie die verschärfte Besteuerung bei Auszahlung.

Bei der Rürup-Rente sind die eingezahlten Beiträge zu Rentenbeginn laut Gesetz nicht garantiert. Die meisten Rürup-Sparer haben aber eine Versicherung abgeschlossen. Deshalb müssen sie keine Kursverluste fürchten, sofern sie keine fondsgebundene Police ohne Garantie abgeschlossen haben. Die Einlagen sind relativ sicher, sofern der Versicherungsgesellschaft nicht das Geld ausgeht und gleich mehrere Gesellschaften ins Straucheln geraten. Die gemachten Ausführungen zur Auffanggesellschaft „Protektor“ sowie zum Einlagensicherungsfonds der Geldinstitute gelten hier entsprechend. Zudem erhalten die Sparer eine Garantieverzinsung von derzeit 2,25 Prozent. Bei fondsgebundenen Policen sind aber sehr wohl ähnlich wie bei Fondssparplänen Verluste möglich.

Auch bei Lebensversicherungen stellt sich die Lage differenzierter dar. Es kommt darauf an, ob der Altersvorsorgesparer ein Produkt mit oder ohne Garantieverzinsung oder gar ganz ohne Garantiezusagen abgeschlossen hat. Die fondsgebundenen Lebensversicherungen bieten keine Garantieverzinsung. Den Sparer wird mit fondsgebundenen Lebensversicherungen nur augenscheinlich eine Sicherheit verkauft. Das Kapitalmarktrisiko wird hier auf den Kunden übertragen. Auf der relativ sicheren Seite befindet sich aber, wer eine fondsgebundene Versicherung mit Beitragsgarantie abgeschlossen hat.

Am besten sind Sparer mit klassischen Lebensversicherungen für Krisenzeiten gestellt. Denn die meisten Versicherungsanbieter legen ihr Kapital konservativ, also möglichst sicher, am Rentenmarkt an. Sollte aber eine deutsche Großbank in Insolvenz geraten, wären auch die Versicherer mit ihren Papieren betroffen.

© Dr. Hans Reinold Horst
03. Dezember 2008

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