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Hans-Heinrich Sander, seit
2003 Niedersächsischer Umweltminister, sprach mit Dr. Hans
Reinold Horst, dem Vorsitzenden von Landesverband Haus & Grund
Niedersachsen, über aktuelle energiepolitische Fragen. |
Dr. Horst:
Herr Minister, was halten Sie vom neuen Wärmegesetz? Wie sehen
Sie die Auswirkungen dieses Gesetzes?
Antwort Minister Sander:
Nirgendwo sonst sind die Verbraucherpreise in den letzten Jahren so gestiegen
wie bei der Energie. Und eine gesetzliche Förderung erneuerbarer
Wärmeenergie führt unterm Strich unweigerlich zu einem weiteren
Anstieg der Energiekosten. Investitionszwänge, die von den Mietern
und Eigenheimbesitzern getragen müssen, sind der falsche Weg. Ein
Wärmegesetz jedenfalls, das vor allem Energiekosten erhöht und
Bürokratie vermehrt, wird es mit dieser Landesregierung nicht geben.
Dr. Horst:
Was können unsere Mitglieder konkret tun um Energie zu sparen?
Antwort Minister Sander:
Anstelle staatliche Vorgaben zu machen, möchte ich die Hausbesitzer
motivieren und zum Energiesparen anregen. Denn Energiesparen soll Spaß
machen. Ich rate dazu, Schwerpunkte auf Isolierungsmaßnahmen, Heizung
und auch auf die elektrischen Geräte im Haushalt zu setzen. Vermieter
sollten darüber nachdenken, ihre Heizungsanlagen zu erneuern, denn
dadurch können bis zu 50 Prozent der Heizkosten gespart werden. Auch
eine Wärmedämmung von 10- 15 Zentimetern an den Außenwänden
oder das Schließen der Rolläden ist bereits sehr effektiv und
bringt enorm viel. Mit Hysterie, Verunsicherung, Bestrafung und Gängelei
kommen wir jedenfalls nicht weiter.
Dr. Horst:
Wie beurteilen Sie die Vorteile des Energiepasses?
Was halten Sie in diesem Zusammenhang von staatlichen Vorgaben?
Antwort Minister Sander:
Der Energiepass informiert den Verbraucher, zeigt Energiesparpotentiale
auf und ermöglicht den Vergleich der energetischen Qualität
von Häusern. Da Käufer und Mieter schon im Vorfeld erkennen
können, welche Energiekosten auf sie zukommen, sorgt er für
Transparenz und fördert dadurch den Wettbewerb. Durch die dadurch
ermittelten Werte schafft man eine Bezugsgröße für einen
möglichen Verkauf. Doch auch hier sollte das Eigeninteresse nach
Kostenersparnis des Vermieters Anlass genug sein, diese Begutachtung machen
zu lassen. Das nutzt sowohl dem eigenen Geldbeutel als auch dem Klimaschutz.
Ich spreche mich eindeutig gegen jede staatliche Verpflichtung und die
damit verbundene Regulierung aus.
Dr. Horst:
Wie kann Einfamilienhausbesitzern bei energetisch sinnvollen Sanierungsmaßnahmen
finanziell geholfen werden?
Antwort Minister Sander:
Man muss das Problem mal beim Namen nennen, es gibt zahlreiche Einfamilienhausbesitzer,
die einfach nicht in der Lage sind, diese staatlich verlangten Investitionen
zu tätigen, weil sie schlichtweg nicht genug Geld dafür aufbringen
können. Es gibt aber die Möglichkeit, die zinsgünstigen
Kredite für Neubauvorhaben und zur Altbausanierung von der Kreditanstalt
für Wiederaufbau (KfW) zu nutzen. Leider wird über diese Möglichkeit
der Finanzierungshilfe von einigen Banken nicht in ausreichendem Maße
informiert.
Dr. Horst:
Viele Banken werben lieber für Ihre Produkte, als für die
KfW-Kredite
von denen sie wenig haben. Kennen Sie dies Problem?
Antwort Minister Sander:
Ja, als Bankkunde kenne ich das auch aus eigener Erfahrung. Die Margen
sind für einige Banken derart gering, dass kein Interesse besteht,
solche Förderprogramme anzubieten. Tatsächlich machen sie lieber
für ihre eigenen Produkte Werbung. Ich sehe es als eine wichtige
Aufgabe der Politik an, die Möglichkeiten der Kreditvergabe an Eigenheiminhaber
publik zu machen, statt ausschließlich auf die Beratungspraxis der
Banken zu vertrauen. Mein Ziel ist es, dafür sorgen, dass die Eigenheimbesitzer
über die Fördermöglichkeiten umfassend informiert sind.
Dr. Horst:
Nach fünfjähriger Erfahrung als Umweltminister von Niedersachsen
möchte ich Sie abschließend fragen: wie würden Sie die
Grundsätze Ihrer Umweltpolitik zusammenfassen? Und wie soll Ihre
Umweltpolitik in der nächsten Legislaturperiode fortgesetzt werden?
Antwort Minister Sander:
Der Grundsatz der Nachhaltigkeit bestimmt seit 2003 meine Arbeit als Umweltminister.
Ich mache Umweltpolitik mit den Menschen und beziehe sie als ernstzunehmende
Partner mit ein. Das muss ebenso für die Klimapolitik gelten. Im
Vorfeld von Entscheidungen müssen die Betroffenen einbezogen werden.
Denn nur dort, wo mit den Menschen sachgerechte Lösungen erarbeitet
und abgestimmt sind, kann Akzeptanz entstehen. Und das werde ich auch
in Zukunft so halten.
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© Dr. Hans Reinold Horst
Februar 2008
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